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Orchideenpflege - Orchideen Pflanzstoffe
Die wichtigsten synthetischen Pflanzstoffe
In neuester Zeit kommt synthetischen Stoffen erhöhte Bedeutung zu. Das Suchen nach einem optimalen Pflanzstoff ist so alt wie die Orchideenkultur selbst. Im Laufe von etwa 100 Jahren hat sich ein fortlaufender Wandel vollzogen; er dürfte auch weiter bestehen bleiben und nie zu einem endgültigen Abschluß kommen.
Derzeitig ist aufgeschäumtes Polystyrol von besonderem Interesse. Es ist ein leichtes, chemisch neutrales, pflanzenverträgliches Material, welches für die Orchideenkultur bereits große Bedeutung gewonnen hat und als Styromull oder Polystyrol bezeichnet wird. Die einzelnen kleinen Flocken setzen sich aus einer großen Zahl kleiner geschlossener Zellen zusammen, deren Luftanteil bis 98 Volumenprozente betragen kann. Die Flocken vermögen nur wenig Wasser - und dieses auch nur oberflächlich - zu binden.
Infolgedessen wirken sie im Pflanzstoff dränierend, durchlüftend 'und tragen in hohem Maße durch das geminderte Wasserspeichervermögen zu einer Sicherung des richtigen Gießens bzw. stabiler Ballenfeuchtigkeit bei. Das Material ist weitaus beständiger als es organische Stoffe sein können. Es ist keiner Zersetzung unterworfen; lediglich verrotten die Zusätze anderen Materials und beeinflussen dadurch den Pflanzstoff ungünstig.
Styromull bzw. Polystyrol kann etwa zu 25 bis 75 % dem Pflanzstoff zugesetzt werden, dessen herkömmliche Bestandteile Sphagnum oder Torf und eventuell etwas Sand sind. Die Verarbeitung ist wesentlich günstiger gegenüber harten Pflanzstoffen - wie etwa Osmunda. Die hohe Luftführung der Styromull-Flocken bedingt eine gegenüber bisher üblichen Pflanzstoffen wesentlich höhere Temperatur des Materials. Sie kommt unmittelbar den Wurzeln zugute und überträgt sich damit auf den Gesamtzustand der Pflanze. Styromull enthält keinerlei Nährstoffe.
Ist sein Anteil im Pflanzmaterial hoch, so erscheint eine Düngung unerläßlich. Sie erfolgt in der Vegetationszeit alle zwei Wochen etwa in der Weise wie im Abschnitt „Ernährung" erläutert.
Biolaston ist ein Abfallprodukt von Kunststoffborsten und daher praktisch unverrottbar; dies ist der einzige erkennbare Vorteil. Nachteilig sind das fehlende Wasserhaltevermögen und andere Mängel, die sich bei der Verwendung ergeben, so auch die Abneigung mancher Gattungen gegenüber Biolaston, die deutlich ersichtlich ist.
Ziegelsplitt, Bimskies und andere ähnliche Stoffe sind schon mit mehr oder weniger gutem Erfolg verwendet worden. Sie haben besonders dort Berechtigung, wo bei einem völlig konstanten Pflanzmaterial systematisch gedüngt wird.
Bedeutung wird in Zukunft in größerem Umfang der bereits seit einiger Zeit verwendete Blähton (Keramsit) haben.
Bestimmte Tonvorkommen werden im Drehofen bei 1200°C in ihrer Struktur so verändert, daß sie ein poröses Material in verschiedener Körnung ergeben. Sie sind beständig, verrotten also nicht, dürfen jedoch keine nachteiligen mineralischen Beimengungen haben.
Zu diesen Pflanzstoffen werden in Zukunft weitere neue hinzukommen. Die geschichtliche Entwicklung seit Beginn der Orchideenkultur zeigt ein ständiges Suchen nach dem „idealen" Pflanzstoff, den es jedoch nie geben wird. Von einem Medium allein können die geforderten Eigenschaften nicht erfüllt werden.
„Orchideen Substrat Rezepte" sollen die Kombinationsmöglichkeiten beleuchten. Einer individuellen Abwandlung nach eigenen Beobachtungen oder örtlichen Bedingungen steht nichts im Wege.
Autor: Johannes Ludewig; 2004-2006 Quelle: Orchideen Pflegen Vermehren Züchten / Walter Richter 1982
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