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Weihnachtsgeschichten... Der verräterische Weihnachtsteufel Weihnachtsgeschichte...

Weihnachtsgeschichten

Weihnachtsgeschichten und Anekdoten

Der verräterische Weihnachtsteufel

Moderne Weihnachtsgeschichte von Carla Wittenburg

Gern erinnere ich mich an eine kleine Weihnachtsanekdote, die ich vor etwa fünfunddreißig Jahren erlebte, und die ich euch erzählen möchte.

Es machte mir immer viel Freude, schon Wochen vor dem Weihnachtsfest kleine Geschenke für die Familie zu besorgen. Mit buntem Weihnachtspapier und dazu passenden Schleifen oder Sternen verpackte ich sie sorgfältig und verstaute alles im Wohnzimmerschrank.

Das Einpacken tat ich, wenn ich allein daheim war, mich niemand störte und ich mich so recht der weihnachtlichen Vorfreude der heimlichen Überraschungen hingeben konnte.

Doch einmal kam unsere damals achtjährige Tochter früher vom Spielen bei ihrer Freundin nach Hause. Natürlich weckten die noch auf dem Tisch liegenden Verpackungsutensilien sowie das etwas bucklige Päckchen und die dazu offene Schranktür ihr uneingeschränktes Interesse.

Was tun? Was erklären? – Mir fiel in diesem Moment nichts Besseres ein als zu sagen, dass ich dem arg beschäftigten Weihnachtsmann nur ein wenig helfen würde. Ich nahm das Päckchen vom Tisch und verschloss es im Schrank.

In den nächsten Tagen bemerkte ich wohl, dass Sabine häufig den Schrank fixierte. Vorbeugend nahm ich ihr das Versprechen ab, nicht nachschauen zu wollen, und sie gab mir ihr „großes Ehrenwort“.

Auf einem Flohmarkt anlässlich eines Dorffestes bei uns in Mecklenburg erwarb ich einen höchst seltsamen Luftballon. Beim Aufblasen entstanden zwei Hörner, eine lange Nase und so etwas Ähnliches wie eine Nikolausmütze - ein lustiger roter Weihnachtsmannteufel. Ich legte ihn auf die Päckchen.

Kurz vor dem Fest fragte ich meine Tochter, ob sie vielleicht noch irgend einen Wunsch hätte. „Ach ja“, reagierte sie darauf, „ich möchte so gern einen roten Luftballon, der aussieht wie ein Teufel.“ Eifrig bügelte ich an dem Oberhemd meines Mannes weiter, um Sabine nicht ansehen zu müssen und verkniff mir dabei ein Lächeln.

Weihnachtsabend. Aus der Küche strömte ein angenehmer Duft vom Gänsebraten, denn traditionsgemäß wurde die Gans bereits nachmittags in den Backofen geschoben und angebraten, damit sie am ersten Weihnachtsfeiertag auch wirklich rechtzeitig gar war.

Weihnachtslieder erklangen aus dem Radio. Die Lichterkette um die hohe schlanke Fichte brachte die vielen großen und kleinen Silberkugeln zum Funkeln. Die vier brennenden Kerzen der erzgebirgischen Holzpyramide, auf der sich spielende Kinder im Schnee auf der unteren Scheibe drehten, erzeugten wundersame Schattenspiele an der Zimmerdecke.

Der Tisch, festlich gedeckt mit Pfeffer- und Baumkuchen, Marzipankartoffeln, Dresdner Christstollen und anderen Leckereien, wirkte einladend.

Da pochte es plötzlich an der Wohnungstür. Sabine sprang auf und rief: „Der Weihnachtsmann!“ Flink rannte sie zur Tür, verhielt einen Augenblick davor, horchte und öffnete sie dann sehr vorsichtig.

Ein Aufatmen erhellte ihr Gesicht. Sie bückte sich ein wenig und zog einen prall gefüllten Jutesack herein. „Der Weihnachtsmann hatte mal wieder keine Zeit “, stellte sie fest, „aber das ließ er hier.“

Sabine kramte die Geschenke aus dem Sack, las die Namen vor, die darauf standen, und verteilte sie.

Der schönste Moment für mich war stets zuzusehen, wie meine Lieben auspackten und dann in ihre Augen zu schauen, wenn ich das Richtige für sie gewählt hatte.

Ich beobachtete Sabine. Sie freute sich über die für sie schönen Dinge, die sie vorfand, begutachtete, drehte und wendete sie.

Eine gewisse Spannung blieb jedoch bestehen.

Nach einiger Zeit wühlte sie zwischen dem zerknitterten Papier auf dem Fußboden umher und schien etwas zu suchen.

Unvermittelt guckte sie mich an und fragte: “Wo ist denn der rote Weihnachtsteufel?“

„Tja“, antwortete ich, „der Weihnachtsmann weiß das, wenn jemand sein Ehrenwort nicht hält und hat ihn bestimmt einem anderen Kind geschenkt.“

Sabine schlug die Augen nieder und sah recht nachdenklich aus.

Autor: Carla Wittenburg, Malchin; 2004
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