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Mecklenburgischer Seenradweg
Mecklenburgischer Seenradweg
Mecklenburgischer Seenradweg von Ludwigslust zur Insel Usedom
Steigen Sie aufs Rad und erleben Sie die verschiedensten
Landschaften Mecklenburgs auf einem Streifzug mit dem Fahrrad von West nach
Ost über den Mecklenburgischen Seenradweg. Ausgangspunkt auf dem Mecklenburgischen Seenradweg soll die ehemalige Residenzstadt Ludwigslust sein, die
per Bahn aus allen Teilen Deutschlands sehr gut zu erreichen ist.
Die Stadt hat ihren wohlklingenden Namen Herzog Christian Ludwig dem II. zu
verdanken, der 1735 in das von ihm errichtete kleine Jagdschloss neben Gut
Klenow einzog. Der im benachbarten Grabow geborene Christian Ludwig II.
liebte unter anderem die waldreiche Gegend und die Jagd. Er machte deshalb
am 21.August 1754 öffentlich, dass der schöne Ort nunmehr Ludwigs-Lust zu
nennen sei. Die Namensgebung entsprach damals dem Geschmack der Zeit, nach
französischem Vorbild wurden wohlklingende Namen bevorzugt, die gern auch
die Liebe, die Schönheit oder andere bildliche Vergleiche beinhalten
durften. Wer heute nach Ludwigslust reist, wird vielleicht das Schloss
besichtigen wollen. Das eigentliche Kleinod sind aber eher der angrenzende
Park im englischen Stil, von Lennè mit kleinen Wasserspielen einst
abwechslungsreich gestaltet und die Schlossstraße. Die 35m breite Allee ist
die ehemalige Dorfstraße der Ortschaft Klenow. Symmetrisch sind die Häuser
angeordnet und jedes findet sein Pendant im Gegenüber. Wer Zeit hat, sollte
gleich in Ludwigslust einen Verlängerungstag einplanen, um die kleinen und
großen Schätze dieser Stadt zu entdecken. Der erste Abschnitt des
Seenradweges führt den Radler durch das Gebiet der Lewitz. Hoffentlich ist
ausreichend Proviant dabei, die Rastmöglichkeiten unterwegs sind sehr
begrenzt. Die Lewitz ist eine karge Region, deren Stille und Unaufgeregtheit
dem Radler auffallen werden. Neustadt-Glewe lädt mit seiner durchaus
sehenswerten Burg zum Besichtigen ein. Der hungrige Pedalritter findet an
der Burg direkt oder im Ort mehrere Schänken.
Weiter geht es entlang der Müritz-Elde-Wasserstraße über Matzlow-Garwitz
nach Parchim. Diese Stadt liegt etwas im Windschatten der Seenplatte, nur
wenige Touristen sind hier auf den ersten Blick zu sehen. Am ehesten legen
die Elde-Wasserwanderer in "Pütt" an, wie Parchim von den Einheimischen
liebevoll genannt wird. Die Innenstadt mit dem Marktplatz ist nett
restauriert und man kann hier abends einkehren, bummeln oder ins Kino gehen.
Kulturbegeisterte können auch einen Blick auf den Spielplan des kleinen
Landestheater werfen. Früher war die Bühne eigenständig, heute wird sie von
Schwerin aus bespielt. Über einen wirklich landschaftlich
abwechslungsreichen und ausgesprochen schönen Wegabschnitt erreicht der
Radler bald Lübz. Das Bier machte die Stadt über die Grenzen hinaus bekannt.
Die Brauerei ist auch heute noch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Zu
DDR-Zeiten produzierte man hier den begehrten Gerstensaft fast
ausschließlich für den Export, sehr zum Leidwesen der einheimischen
Bevölkerung. Neben der Brauerei gibt es in Lübz noch einiges mehr zu sehen.
Der kleine und gut erhaltene mittelalterliche Stadtkern ist sehr attraktiv
und lädt zum Verweilen ein. Im Amtsturm ist das wirklich sehenswerte
Stadtmuseum untergebracht. Garantiert eine der besten Möglichkeiten, während
der Seenradwegreise etwas über Land und Leute zu erfahren! Ganz sicher wird
der Besucher mit einem neuen Blickwinkel auf Historisches und Gegenwärtiges
aus dem mecklenburgischen Alltag seine Radtour durch das Land fortsetzen.
Die Region um Lübz nennt sich auch "Lehm- und Backsteingebiet". Eine
Ziegelei mit intaktem Hochofen, eine Filzmanufaktur, ein Kräutergarten und
viele andere kleine Attraktionen haben in den Sommermonaten ihre Türen für
Besucher und Einheimische geöffnet.
Radelnd geht es weiter nach Westen. In Plau ist dann die {Mecklenburgische
Seenplatte} endlich erreicht. Viele Gleichgesinnte treten in die Pedale und
man ist nicht mehr ganz so allein. Der idyllische Weg um den Plauer See
gehört in Abschnitten auch zum Seenradweg. Mitunter werden dem Radler
koordinative Höchstleistungen abverlangt, da der Weg unbefestigt, stark
durchwurzelt und etwas hügelig ist. Trotzdem ist es landschaftlich so schön,
dass man diese kleinen Strapazen gern auf sich nimmt. Unterwegs gibt es
immer wieder die Möglichkeit ein Bad in dem großen und schönen Plauer See zu
nehmen. Überhaupt sind alle Radwanderer angehalten, ab jetzt das Badezeug
immer griffbereit zu halten.
An der Südspitze des Plauer Sees liegen das Eisvogeltal und der Ort {Bad
Stuer}, der auf Grund seiner Quellen einst ein beliebter Kurort war. Ein
Bärengehege ist die neueste Attraktion dieser Gegend, der Seenradweg führt
direkt daran vorbei. Der "Bärenwald Müritz" bietet Tieren aus bisher nicht
artgerechter Haltung ein Domizil zum Wohlfühlen. Warum der Bärenwald
allerdings den Beinamen "Müritz" trägt wissen wohl nur die Erfinder. Er
liegt einen Steinwurf vom Plauer See entfernt, die Müritz ist für den Radler
dagegen noch weit weg.
In Röbel ist es schließlich vollbracht, das "Kleine Meer" ist erreicht. Das
Wort "Müritz" kommt aus dem Slawischen von morize und heißt soviel wie
"Kleines Meer". Spätestens mit dem Blick auf das Wasser wird dem Radler
bewusst, dass er tatsächlich an Deutschlands größtem Binnensee steht. (Den
Widerspruchsgeistern sei an dieser Stelle geflüstert, dass der Bodensee
nicht allein in Deutschland liegt.) Die kleine Fischer- und Ackerbürgerstadt
Röbel hat sich in den letzten Jahren sehr gemausert und ist zu einem netten
Urlaubsort geworden, der noch nicht den Stempel des Massentourismus
aufgedrückt bekommen hat. Jetzt wäre es auch höchste Zeit für den
Radwanderer, einmal das Gefährt stehen zu lassen. Der Aufstieg im
Marienkirchturm ist beschwerlich, gibt aber den besten Blick auf die
Seenplatte und die Müritz frei. Am Ufer der Müritz entlang führt der
Seenradweg weiter nach Waren. Pedalmüde Radler lassen sich einfach mit der
Schifffahrt übersetzen.
Die heimliche Hauptstadt der Seenplatte bildet das Herz der Region.
Quirliges Treiben, Geschäfte und viele Einkehrmöglichkeiten machen die
sympathische Stadt zu etwas Besonderem. Direkt am Hafen kann man die Seele
baumeln lassen und dem geschäftigen Treiben zusehen. Das modernisierte und
neu gestaltete Müritzeum beherbergt auch ein Aquarium. Interessierte finden
hier viele Informationen zur Flora und Fauna Mecklenburgs.
Der nächste Radtag steht ganz im Zeichen des Nationalparks. Auf einer ganzen
Tagesetappe wird der Müritzteil des Nationalparks durchfahren. Wer sich
vorgenommen hat, die Region zu genießen, der sollte bei dieser Etappe seinen
Fokus nicht auf das "Kilometermachen" legen, sondern vielmehr die vielen
kleinen Informations- und Besichtigungsangebote am Wegesrand beachten.
Die südöstliche Region ist die Kleinseenplatte, die in Mirow erreicht wird.
Landschaftlich ändert sich einiges. Das Gebiet ist überaus abwechslungsreich
und der Radwanderer hätte einiges zu tun, würde er alle Seen zählen wollen.
Immer wieder hat man Kontakt zum Wasser und kann dies zum Ausruhen oder
Baden nutzen. Über das Wesenberger Seenkreuz ist alsbald die ehemalige
Residenzstadt Neustrelitz erreicht. Der beeindruckende mit strahlenförmig
abgehenden Straßen angelegte Marktplatz ist das Zentrum und ein unbedingtes
Besichtigungsmuss für den Radtouristen. Auch Neustrelitz hat ein Theater zu
bieten, welches in den Sommermonaten immer besondere Operettenaufführungen
anbietet. Den zweiten Teil des Müritz-Nationalparks durchfährt man auf der
kommenden Etappe. Über Carpin, Blankensee und Wanzka geht es zur Lieps, die
südliche Vorhut der Tollense. Nun kann man entscheiden, ob man den
Tollensesee auf der einen oder anderen Seite befährt. Wer sich nicht
entscheiden kann fährt einfach mit dem Schiff nach Neubrandenburg. Eine
Anlegestelle gibt es im Bereich Bornmühle/Nemerow. Neubrandenburg ist die
drittgrößte Stadt Mecklenburgs und besticht in erster Linie durch ihre
traumhafte Lage am klaren Tollensesee. Die Strandbäder sind gut gepflegt und
zum Teil tatsächlich ohne Gebühren zu benutzen. Das findet man in heutiger
Zeit nicht mehr oft, in diesem Sinne ein Lob an die hiesigen Stadtväter. Von
der prächtigen mittelalterlichen Stadt ist nach 1945 nicht mehr viel übrig
geblieben. Reste der Stadtmauer mit den to typischen Wiekhäusern stehen aber
noch und lassen einstige Schönheit erahnen.
Nach Neubrandenburg führt der Seenradweg durch eine unendlich weite
Landschaft, die sehr dünn besiedelt ist. Die Datzenniederung und die Brohmer
Berge bringen Abwechslung in die Radtour. Mit 152 m Höhe wirkt der Brohmer
Berg wie ein plötzlich in die Landschaft hinein gestellter Gegenstand, die
Eiszeit hat das so gewollt. In Ueckermünde kann der Radler dann schon
Meeresluft schnuppern. Das verträumte Städtchen ist noch verschont vom
Massentourismus und lässt daher Raum für einen entspannten Urlaubstag. Zum
Geburtsort Otto Lilienthals führt die nächste Radwanderetappe. Anklam
würdigt die Arbeit Lilienthals in einem kleinen feinen Museum. Auch
technisch weniger Interessierte werden an dieser liebevoll
zusammengetragenen Sammlung ihre Freude haben.
Von Anklam ist es dann nur noch ein Katzensprung auf die Insel Usedom, die
"Badewanne der Berliner". Es lohnt sich durchaus den einen oder anderen
Abstecher in das interessante Hinterland von Usedom zu machen. Die Küste
selbst besticht durch breite Sandstrände, eine perfekte touristische
Infrastruktur und viele kulturelle Angebote während der Hauptsaison. Als
Radfahrer werden Sie an der Küste die Sache wahrscheinlich mit gemischten
Gefühlen betrachten. Der Radweg verläuft oftmals gleich mit der
Uferpromenade. Man kommt nicht schnell voran und sollte etwas mehr Zeit
einplanen. Auf der Insel verkehrt die Usedomer Bäderbahn. Fahrräder werden
mitgenommen und so kann man unkompliziert die Insel zum Beispiel bis
Peenemünde erkunden. Der nächste Bahnhof mit DB-Anschluss ist Wolgast. Von
hier aus besteht regelmäßiger Anschluss nach Stralsund.
Kein Wunder also, dass Mecklenburg-Vorpommern unter Radfahrern inzwischen als erste Adresse gilt.
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