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Basedow 20. Jahrhundert
Basedow in der mecklenburgischen Schweiz
Basedow im 20. Jahrhundert
Um das Jahr 1900 hatte sich der Hahnsche Besitz schon erheblich verringert und umfaßte er nur noch 16 Güter:
Basedow, Christinenhof, FauIenrost, Hungerstorf, Rittermannshagen , Lansen , Schwarzenhof , Levensdorf , Hinrichshagen , Tressow, Schwinkendorf, Langwitz, Lupendorf, Ulrichshusen, Roga und Pleetz.
Um diese Zeit residierte in Basedow als Chef der Familie Hahn Erblandmarschall Graf Walther von Hahn (ein Sohn von Cuno), nachdem gegen 1920 die unter seinem leichtsinnigen ältesten Bruder Friedrich Franz ( + 1916) angeordnete staatliche Vormundschaft wieder aufgehoben worden war.
Basedow umfaßte die Ortschaften bzw. Ortsteile Basedow, Gessin, Seedorf, Teerofen, Stöckersoll, Neuhäuser und Neubasedow. Während die Tagelöhner, d. h. die Landarbeiter, hauptsächlich in den Ortschaften Basedow, Gessin und dem Vorwerk Stöckersoll untergebracht waren, wohnten die Forstarbeiter in den Ortschaften Seedorf, Neuhäuser und Teerofen. In Gessin befanden sich außerdem noch 11 Großbauernstellen.
Soweit ich mich erinnere, lagen neben riesigen Waldungen und ausgedehnten Wiesen und Weiden etwa 4500 Morgen Ackerland unter dem Pflug, insgesamt umfaßte nach meinen Informationen die Basedower Wirtschaft etwa 13.000 Morgen. Um den Acker zu bewirtschaften, hielt das Gut 25 Gespanne zu je 4 Pferden, also 100 Pferde, davon waren 6 Gespanne auf dem Vorwerk Stöckersoll untergebracht. Außer einer Rinderherde von etwa 160 Milchkühen (die Deputatkühe der Tagelöhner mitgerechnet) besaß die Grafschaft noch eine wertvolle Stammschäferei von mehreren hundert Schafen. Da die landwirtschaftlichen Arbeiten von den Tagelöhnern alleine nicht bewältigt werden konnten und moderne Technik fehlte, wurden in jedem Frühjahr polnische Landarbeiter (Schnitter) angeworben, die in einem größeren Gebäude, der so genannten Schnitterkaserne, die am Rande des Dorfes lag, untergebracht waren. Während die drei ersten Beamten (Oberinspektor, Oberförster und Rentmeister) neben vollkommen freiem Lebensunterhalt ein Bargeld von monatlich 350,- M erhielten, war der Verdienst der Arbeiter und besonders der Schnitter nur gering.
Der Lohn eines Tagelöhners setzte sich folgendermaßen zusammen: Tagesverdienst pro Tag 78 Pfennig, dazu folgende Naturalien: monatlich 1 Ztr. Gerste und 1 Ztr. Rog gen, jährlich 2 Ztr. Weizen und 16 Meter Holz, dazu freie Wohnung. Außerdem durfte sich die Familie bei freier Weide und freiem Futter eine Kuh und ein Kalb halten. Wenn man diese Zahlen heute betrachtet, so fragt man sich nur: II Wie konnte eine größere Arbeiterfamilie bei solchem Lohn zurechtkommen?" Und es ist einfach unbegreiflich, daß die Gutbesitzer nicht von sich aus diese Verhältnisse änderten und eine spürbare Lohnaufbesserung vornahmen. Sie wären durch solche Maßnahmen nicht verarmt und hätten viel zur Hebung des Wohlbefindens und der Arbeitsfreudigkeit ihrer Arbeiter beigetragen.
Kurz vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges (1939) starb der letzte Erblandmarschall Graf Walther von Hahn. Zwar zog sein jüngerer Bruder Friedrich Karl noch nach Basedow, doch seine Anwesenheit hatte für den Besitz kaum noch Bedeutung, denn zu seiner Zeit wurde die Bewirtschaftung des Gutes der "II. Pommerschen Landberatung" übertragen, und damit war der Schlußstrich gezogen unter die Basedower Linie eines Adelsgeschlechtes, das schon starke Keime der Degeneration in sich trug.
Der blutigste aller Kriege, der 2. Weltkrieg, der 58 Basedower Männer dahinraffte, ging 1945 zu Ende, und so erlebte Basedow zum 3. Male die grausamen Auswirkungen der Kriegsfurie aus erster Hand.
Der in den letzten Apriltagen immer stärker vernehmbare Geschützdonner aus
Richtung Neubrandenburg zeigte an, daß die Kampffront in bedenkliche Nähe gerückt war, und als dann am Abend vor dem 1. Mai fast ganz Malchin brannte, und der Himmel sich blutrot färbte, bekamen die Worte aus Schillers "Glocke" auch für Basedow fast die Bedeutung eines Gebetes: "Möge nie der Tag erscheinen, wo des rauhen Krieges Horden dieses stille Tal durchtoben, wo der Himmel, den des Abends sanfte Röte lieblich malt, von der Dörfer, von der Städte wilden Brande schrecklich strahlt!"
Die meisten der verängstigten Dorfbewohner waren mit dem Nötigsten ihrer Habe in den Wald geflüchtet und hatten sich provisorische Hütten gebaut, doch es war zwecklos. Schon am Nachmittag des 1. Mai wurden die Soldaten der roten Armee ins Dorf zurückgetrieben.
Nun begann ein trauriges Kapitel. Jede Ordnung und Selbstdisziplin schien dahin oder wenigstens arg ins Wanken zu geraten. Hatten schon unbekannte Täter in vorübergehend verlassenen Wohnungen geplündert, nun begannen auch die Basedower Ortsbewohner dasselbe traurige Geschäft und nahmen, was ihnen in die Hände fiel, vor allem aus dem Schloß, dem Wirtschaftshaus und dem Rentamt. Wahllos wurde auch manch wertvolle Einrichtung (Zentralheizung im Schloß, Toilettenanlagen usw.) vernichtet und zwar nicht durch Angehörige der Roten Armee.
Unersetzbare Akten und Urkunden im Archiv fielen sinnloser Zerstörungswut zum Opfer, wertvolle Lehrmittel der Schule lagen zerschlagen im Schulgarten.
Aber schlimmer noch: Die Denunziation wurde bei einzelnen Bürgern zur traurigen Gewohnheit. Ehemalige Faschisten und SA-Angehörige wollten nun plötzlich die überzeugtesten Kommunisten sein, spielten sich wenigstens als solche auf, und versuchten, andere harmlose Bürger bei der Roten Armee zu beschuldigen und anzuschwärzen. Bezeichnend für soviel Schändlichkeit waren die Worte eines höheren sowjetischen Offiziers:"Pfui, Deutsche sollten sich schämen! Deutsche gegen Deutsche nicht gut." Wem fallen da nicht von selbst wieder Schillers Worte ein: "Nichts Heiliges ist mehr, es lösen sich alle Bande frommer Scheu, der Gute räumt den Platz dem Bösen, und alle Laster walten frei."
Und wer konnte Einhalt gebieten? Jeder hatte mit sich zu tun, und viele Männer waren noch an der Front, gefallen oder schon in Gefangenschaft.
Düstere Tage! Fast ohne jeden Lichtblick! Überall Angst, Sorge, Not und Trauer.
Hatte der 1. Weltkrieg 1914- 1918 schon manche Familien schmerzlich getroffen - diesmal waren die Blutopfer der Basedower Bevölkerung doppelt so groß.
Lassen wir im folgenden die Namenslisten der Kriegsopfer unserer Gemeinde ihre stumme Klage erheben:
1914 -1918 kehrten nicht wieder heim:
1. Gustav Giese
2. Paul Krause
3. Karl Lorenz
4. Heinrich Meier
5. Karl Niemann
6. Ewald Krapp
7. Friedr. Wilh. Langfeld
8. Gustav Schmölter
9. Ernst Voß
10. Karl Graf
11. Georg Voß
12. Fritz Korff
13. Fritz Schröder
14. Gustav Schwarz
15. Ernst Strickert
16. Hermann Schlundt
17. Fritz Schuldt
18. Wilhelm Gütschow
19. Karl Boldt
20. August Gütschow
21. Heinrich Schmölter
22. Hermann Krüger
23. Karl Rohde
24. Friedrich Schröder
25. Wilhelm Kamps
26. Hermann Bring
27. Wilhelm Hampe
28. Hermann Hampe
29. Fritz Bromberg
1939 -1945 sind gefallen, vermißt bzw. an Verwundungen und Erkrankungen gestorben:
1. Günther Bohnenstedt
2. Hugo Bromberg
3. Heinrich Bromberg
4. Paul Dehn
5. Fritz Drews
6. Ulrich Gehrke
7. Hermann Gesche
8. Hans Gesche
9. Erwin Gesche
10. Erich Gesche
11. Karl-Heinz Graf
12. Friedr. Franz Graf Hahn
13. Herbert Hammann
14. Erich Hampe
15. Fritz Harm
16. Reinhold Hermann
17. Ernst Hein
18. Hans Hothow
19. Rudolf Kämpfert
20. Werner Köpke
21. Heinz Kohn
22. Arthur Krause
23. Erich Krause
24. Georg Krause
25. Emil Krei
26. Werner Krüger
27. Friedrich Loitz
28. Willi Meinke
29. Johannes Minning
30. Max Müller
31. Paul Mahnke
32. Rolf Niemann
33. Gerhard Noak
34. Friedrich Niendorf
35. Fritz Pagels
36. Otto Prochnow
37. Paul Raffalzik
38. Erich Roppel
39. Fritz Richter
40. Heinz Rohde
41. Siegfried Schalm
42. Günter Schneeberg
43. Fritz Schröder
44. Hugo Schröder
45. Heinz Schröder
46. Ulrich Schröder
47. Wilhelm Schröder
48. Paul Schuldt
49. Wilhelm Schulz
50. Gustav Schwarz
51. Hermann Schwarz
52. Detlef Tolzien
53. Franz Westphal
54. Bruno Steinhauer
55. Willi Westphal
56. Willi Wetzel
57. Willi Westphal
58. Robert Zietlow
Eine schreckliche Bilanz des grausigsten Völkermordes aller Zeiten. Die Spuren, die es hinterließ, waren furchtbar. Wohl war Deutschland endlich von der Diktatur des Faschismus befreit, aber es blutete aus tausenden Wunden.
Hunger und Entbehrungen mancherlei Art führten zu ansteckenden Krankheiten, die sich in manchen Gegenden zu Epidemien ausweiteten und neue Opfer forderten. Ärztliche Hilfe war oft vergebens, weil es an den nötigen Medikamenten fehlte.
Auf allen Gebieten herrschte Unordnung und Chaos. Keine Behörde funktionierte, zumal viele Angestellte wegen ihrer Vergangenheit entlassen werden mußten oder das Weite gesucht hatten. Und doch dämmerte allmählich nach dunkler Nacht ein neuer Morgen. Trotz allem fanden sich mutige Männer und Frauen, wahre "Aktivisten der ersten Stunde", die versuchten, geordnete Verhältnisse zu schaffen. Sie fanden dabei Unterstützung und erste Anleitung durch die Sowjetische Militäradministration bzw. die sowj. Ortskommandenten. Heinrich Niemann, früher Gutsarbeiter und Schmied, bekam den Auftrag, das Amt des Bürgermeisters zu Übernehmen. Seine Aufgabe war nicht leicht, zumal die Gemeinde durch die vielen evakuierten Menschen, die ihre Heimat verlassen mußten, einen großen Zuwachs erfahren hatte.
Die Ordnung kehrte erst ganz allmählich ein. Die Menschen gewannen wieder Lebensmut und Vertrauen zu sich selbst. Es galt, ein neues demokratisches und friedliches Deutschland aufzubauen. So erwachte auch das politische Leben. Parteien entstanden, schlossen sich im Demokratischen Block zusammen, wählten die Gemeindevertreter und die Räte der Gemeinden. Auch in Basedow war es so. Große Aufgaben sollten gemeistert werden, als wichtigste und eine der ersten die Sicherstellung der Ernährung.
Und nun kam, was kommen mußte und von vor- ausschauenden Menschen schon lange ersehnt war. Am 5. September 1945 erließ die Landesverwaltung Mecklenburg eine Verordnung über die Durchführung der Bodenreform, d. h. das Land, das bisher den Gutsbesitzern gehört hatte, sollte gerecht an die verteilt werden, die es bisher bearbeiteten. Manchem Basedower Tagelöhner wird der Tag unvergessen bleiben, an dem in der Kirche eine Großkundgebung mit Bernhard Quandt, den späteren Landwirtschaftsminister und Ministerpräsidenten, durchgeführt wurde, der den Einwohnern von Basedow in hinreißender Rede Sinn und Zweck der Verordnung über die Durchführung der Bodenreform erläuterte, nachdem vor ihm der greise und ehrwürdige Ortsgeistliche, der ehemalige Landesbischhof Tolzien, auf die große Bedeutung dieser Stunde hingewiesen hatte.
Auf Grund der erwähnten Verordnung der Landesverwaltung Mecklenburg wurden einige Wochen später vielen ehemaligen Gutsarbeitern und auch mehreren Evakuierten die einzelnen Grundstücke übertragen. Ihre Größe war unterschiedlich, die Ausmaße lagen zwischen 4,64 ha und 12,24 ha einschließlich Wald.
Die Freude über den eigenen Besitz konnte jedoch nicht über die großen Anfangsschwierigkeiten hinwegtäuschen, denen sich die neuen Besitzer des Landes gegenübersahen. Es fehlte an Vieh, an Maschinen, an Ackergeräten, Fahrzeugen usw.
Hier hatte die später entstandene Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) manche Nuß zu knacken. Auch an Wohnungen und Stallungen fehlte es. Aus diesem Grunde begann nach und nach eine immer reger werdende Bautätigkeit mit staatlicher Unterstützung, und so entstanden hier und da in allen Ortsteilen oder auch auf dem Acker der einzelnen Grundstücke neue Höfe. An der Basedower Chaussee ist in dieser Zeit sogar ein ganz neuer Ortsteil, Basedow-Höhe, entstanden. Kurzum, das ganze äußere Bild der Gemeinde hat sich in den 20 Jahren nach Beendigung des Krieges grundlegend verändert, und der ehemalige Besitzer würde es kaum wieder erkennen.
Im Laufe der Zeit setzte sich nun immer mehr die Erkenntnis durch, daß allein schon wegen der besseren Ausnutzung der modernen Technik und der Großmaschinen die Großraumwirtschaft praktischer, leichter und rentabler ist. Aus diesem Grunde schlossen sich die Bauern zu Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) zusammen. So gründeten sie in Seedorf am 7.10.1.;952 die LPG "Ernst Goldenbaum" ('Typ I) mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 66,57 ha, in Basedow am 29.04.1955 die LPG "Freundschaft" (Typ III) mit einer Nutzfläche von 281,90 ha und am 8.01.1958 die LPG "Freiheit" (Typ I) mit einer Nutzfläche von 43,01 ha.
Seit dem 1.03.1960 ist die Gemeinde Basedow vollgenossenschaftlich, und heute sind alle drei Genossenschaften in einer einzigen, der LPG "Freundschaft" zusammengeschlossen.
Es ergibt sich folgendes Bild:
Gesamtwirtschaftsfläche der Gemeinde: 3.254,03 ha
Gesamtwirtschaftsfläche der LPG: 2.226,07 ha
Gesamtackerland der LPG: 1.250,62 ha
Staatsforst: 831:,73 ha
LPG-Forst: 373,36 ha
Auf dem Gebiet der Viehzucht hat sich in Basedow manches verändert. Der Stand der Viehzählung am 30.11 .1965 ergab:
Rinder: 1099 (davon Kühe 447)
Schweine: 1650 davon Sauen 189)
Schafe : 447 ( da von Mutterschafe 244)
Legehennen: 8265
Bei dem großen Anwachsen der Viehbestände reichten die bisherigen Unterbringungsmöglichkeiten bei weitem nicht aus. Durch den Bau der großen Rinderlaufhofanlage, einer Baracke für Zuchtsauen, den Bau der Schweinestraße, der Hühnerfarm in Gessin und durch teilweisen Um- und Ausbau der ehemaligen Gutsstallungen und Gutsscheunen wurde Abhilfe geschaffen.
Die Einwohnerzahl der Gemeinde umfaßte nach dem Stande vom
01.01.1965 (Volkszählung 1964) 1011 Personen. Sie hat sich durch. die Aufnahme der Heimatvertriebenen gegenüber der Zeit vor dem Kriege nahezu verdoppelt. Wohl wurde die Wohnungsknappheit durch die entstandenen neuen Gehöfte gemildert, doch waren weitere Maßnahmen nötig, der Wohnungsnot zu begegnen. Neben dem Ausbau alter Häuser konnte erst kürzlich ein großer moderner Neubau mit 24 Wohnungen fertiggestellt und Anfang November 1965 bezogen werden. Weitere Neubauten sind noch geplant.
Wenn man bedenkt, daß im Zentrum des Dorfes außerdem ein hübsches und modernes Landwarenhaus entstand, daß im Gemeindehaus neben einem Waschstützpunkt und einer Nähstube auch eine. Gemeindeschwesternstation mit Arztzimmer eingerichtet werden konnte, und wenn man dann noch darauf hinweist, daß Basedow täglich über gute Busverbindungen nach Malchin und Teterow verfügt, kommt auch ein Außenstehender nicht drumhin, ganz objektiv festzustellen: Basedow ist zu neuem Leben erwacht.
Diese Chronik wäre jedoch nicht vollständig, wollten wir an dieser Stelle nicht über die Bedeutendste Errungenschaft des Jahres 1965 berichten. Schon seit Jahrzehnten war die Wasserversorgung des Dorfes sehr mangelhaft. Die wenigen z. T. sehr schadhaften und nicht mehr reparaturfähigen Pumpen reichten nicht aus" die Bedürfnisse der Einwohner ordnungsgemäß zu befriedigen. Teilweise mußten die Leute das Wasser mehrere hundert Meter weit heranschleppen. In jüngster Zeit durchgeführte Versuchsbohrungen stellten in der Nähe der alten Mühle eine sehr ergiebige Wasserader fest, die auf dem Mühlenberg die Anlage einer Pumpenstation ermöglichte. Bald waren die Vorarbeiten so weit gediehen, daß die Rohre gelegt und fast alle Haushalte noch im Jahre 1'965 an das Leitungsnetz. angeschlossen werden konnten.
Es ist geplant, auch andere Ortsteile durch die Basedower Pumpstation zu versorgen. Daß das "gräfliche" Dorf Basedow erst 1942 elektrisches Licht und Kraftstrom erhielt (die übrigen Ortsteile mußten darauf bis nach dem Kriege warten), sei nur am Rande vermerkt.
Die MTS Basedow
Wie schon erwähnt, hatten die Bauern in den ersten Jahren nach der Ubernahme ihrer eigenen Wirtschaften große Schwierigkeiten, weil es vor allen Dingen an Ackergeräten und Maschinen fehlte. Hier sollten Maschinenausleihstationen (MAS, später MTS) helfend eingreifen. Die Basedower MTS wurde am 1.04.1949 gegründet. Die etwas später stattgefundene Einweihungsfeier nahm, den Charakter eines wahren Volksfestes für die ganze Gemeinde an. Am Vormittag konzertierte eine etwa 30 Mann starke Kapelle der Schweriner Volkspolizei vor dem Kulturhaus. Nach einer Großkundgebung mit dem Ministerpräsidenten Bernhard Quandt fanden am Nachmittag Volksbelustigungen aller Art statt.
Beschlossen wurde der Tag mit einem großen Fackelzug der Schule (unter Vorantritt der Polizeikapelle) und einer sich daran anschließenden Tanzveranstaltung im großen Saal des Kulturhauses.
Die MTS übernahm die Maschinen von der VdgB, dazu erhielt sie 4 neue Zugmaschinen, welche die Sowjetunion zur Verfügung stellte. In einer würdigen Feierstunde wurden sie dem Leiter der
MTS übergeben. Noch im Jahre. 1949 konnte der ehemalige Marstall der MTS zur Nutzung übergeben werden. Der Bruttowert der übernommenen Maschinen und Gebäude (Marstall und Kulturhaus) betrug eine Millionen Mark. Der Beschäftigungsstand der MTS erreichte 1949 im Jahresdurchschnitt die Zahl von 43 Personen.
An Großmaschinen übernahm die MTS:
16 Traktoren, 16 Schlepperbinder, 22 Schlepperpflüge , 18 Dreschmaschinen, 14 Strohpressen, 5 Lokomobile und 12 E-Motoren.
An Werkzeugmaschinen wurden nur veraltete Maschinen übernommen. Mit diesem Maschinenpark mußten folgende Orte versorgt werden:
Basedow mit Ortsteilen, Schwinkendorf, Langwitz, Christinenhof, Liepen, Rittermannshagen, Faulenrost, Hungerstorf, Demzin, Gielow, Duckow, Pinnow, Scharpzow, Leuschentin, Kummerow, Axelshof, Maxfelde, Malchin, Gorschendorf, Salem, Pisede Retzow, Remplin, V/endischhagen und Neu-Pansdorf. ,
Im Laufe der Jahre wurde die MTS durch den Staat großzügig unterstützt. Umfangreiche Investitionen für Bauten und Maschinenanschaffungen "stellte er zur Verfügung. Mit der Zeit
wandelte sich der Charakter der MTS. Die ursprüngliche Bezeichnung MAS besagte schon, daß die Maschinen praktisch nur für die
Der Verkauf dieser Technik an die LPG soll das neue ökonomische System der Planung und Leitung in der sozialistischen Landwirtschaft vervollkommnen. (Die LPG Basedow kaufte die ihr seinerzeit leihweise übergebene Technik mit einem Kostenaufwand von 70.000,00 MDN auf.)
Die Schule
Seit langer Zeit befanden sich in der Gemeinde Basedow drei Schulen und zwar in Basedow, Seedorf und Gessin.
Die Basedower Schule war zweiklassig und besaß zwei Unterrichtsräume, die Schulen in Seedorf und Gessin waren einklassig. Da die Schülerzahlen in den genannten Ortsteilen immer absanken und die Entfernung zum Hauptort Basedow nur 1/2 km betrug, wurden die Schulen in Gessin und Seedorf aufgelöst und die dortigen 11 Schüler in Basedow eingeschult. Die Auflösung der Gessiner Schule erfolgte schon 1918, die der Seedor- fer erst in den Jahren nach 1933. Die Schülerzahl der zweiklassigen Schule in Basedow, an der ein verheirateter Lehrer und eine unverheiratete Lehrkraft unterrichteten, lag auch nach dem Zusammenschluß jahrelang zwischen 70 und 80.
Der Schulleiter unterrichtete die Jahrgänge 5- 8 in 3- 4 Abteilungen gleichzeitig, die zweite Lehrkraft die Jahrgänge 1 - 4 unter ähnlichen Vorraussetzungen. Die Pflichtstunden der Lehrer betrugen zeitweilig 32 bzw. 30 und 28 Stunden.
Unterricht in Fremdsprachen wurde nicht erteilt. Veranstaltungen kultureller Art waren selten. Erst seit 1924 führte die Schule regelmäßig Elternabende durch mit einem großen vielgestaltigen Programm. Diese Veranstaltungen wurden von der Bevölkerung sehr begrüßt .
Der 1926 erbaute große Saal des heutigen Kulturhauses war immer bis auf den letzten Platz besetzt. Die so erzielten, nicht geringen Einnahmen wurden in der Hauptsache zu den alljährlich durchgeführten und sehr beliebten Schulausflügen und Dampferfahrten verwandt, an denen fast immer auch 30- 40 Erwachsene (meist Eltern). teilnahmen.
Die Zeit des Nationalsozialismus wirkte sich im allgemeinen für Basedow nur so aus, als auch hier eine Ortsgruppe der Partei und eine größere SA-Gruppe entstand, die viel marschierte, was weiter nicht von Bedeutung war. Die Schule wurde in sofern von der Zeit berührt, als auf staatliche Anordnung der sogenannte Staatsjugendtag eingeführt werden mußte, d. h. der Sonnabend sollte für Übungen der Hitlerjugend und des "Jungvolkes" freibleiben. Die Pflichtstundenzahl der Lehrer und Schüler war also an fünf Wochentagen zu absolvieren.
Daß die Lehrer im Qbrigen einem großen Gewissenszwang unterlagen, braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden. So bedrohte man mich z. B. dauernd mit Entlassung aus dem Staatsdienst, wenn ich mein Organistenamt nicht niederlegte.
Weil ich diesem Ersuchen nicht nachkam, wurde ich am 26. August 1939 - als erster in der Gemeinde Basedow zur Wehrmacht einberufen .
Der Zusammenbruch 1945 hatte auch für die Schule katastrophale Folgen. Es fehlte an Lehrern, da viele von ihnen wegen ihrer Zugehörigkeit zur NSDAP entlassen wurden oder noch nicht aus dem Kriege zurückgekehrt waren. In Basedow konnte der Unterricht im Januar 1946 wiederaufgenommen werden, aber zunächst nur mit einer Lehrkraft. Doch Lehr- und Lernmittel gab es nicht.
Die Schüler schrieben in der ersten Zeit auf dem Rand alter Zeitungen. Auch an Schulräumen mangelte es, da die Schülerzahl durch den fortwährenden Zuzug an Evakuierten ständig wuchs und vor'übergehend sogar die Höchstzahl von 223 erreichte, sodaß weitere Lehrer nötig waren, um einen normalen Unterrichtsablauf zu gewährleisten.
Allmählich bahnten sich wie auf allen Gebieten geordnete Verhältnisse an. Die Durchführung der Schulreform, die uns die Einheitsschule bescherte, war auch für die Basedower Schule von einschneidender Bedeutung. Die Rückständigkeit des Landschulwesens sollte überwunden werden, und sie wurde auch hier überwunden .
Das Bildungsprivileg der Besitzenden war ein für allemal dahin. Für alle Kinder ohne Rücksicht auf des Vaters Geldbeutel war endlich der Weg frei, je nach Veranlagung und Neigung die höchste Bildungsstufe zu erklimmen. So konnten in den Jahren von 1945- 1960 allein aus der verhältnismäßig kleinen Schule der Gemeinde Basedow 17 Schüler entlassen werden, die dann später nach dem Besuch von Fachschulen bzw. nach dem bestandenen Abitur das Studium an einer Hochschule oder Universität aufnahmen und erfolgreich absolvierten. Allein aus der kleinen Ortschaft Seedorf kamen 5 dieser Schüler, die ausnahmslos Arbeiter- und Bauernkinder waren. Ein schöner Erfolg, auf den nicht nur die Schule, sondern auch die Gemeinde stolz sein konnte.
Auch im Kulturleben der Gemeinde spielte um diese Zeit die Schule schon wieder eine große Rolle. So manche öffentliche Veranstaltung und Feier wurde durch den Schulchor, die Instrumentalgruppe und die .Laienspielgruppe mit einem reichhaltigen Programm umrahmt. Bezeichnend für das Niveau und die Qualität dieser Darbietungen ist wohl die Tatsache, daß in dem 1953 in Malchin durchgeführten zweitägigen Kulturwettstreit aller Schulen des Kreises der Basedower Schulchor, die Laienspielgruppe und die Volkstanzgruppe den 1. Platz belegte, sodass daraufhin der Chor als Preissieger eingeladen wurde, am Bezirksausscheid in Neustrelitz teilzunehmen, wo er unter den besten 14 Schulchören des Bezirkes Neubrandenburg immerhin noch den 4.Platz erringen konnte.
Im Zuge des weiteren Auf- und Ausbaues unserer Schule - sie nennt sich heute Oberschule - ist die Zahl der in Basedow unterrichtenden Lehrer auf 10 angewachsen. Der Mehrstufenunterricht gehört längst der Vergangenheit an. Weil die alten Schulgebäude nicht mehr ausreichten, mußte die Gemeinde weitere Klassenräume zur Verfügung stellen, davon befinden sich 2 im ehemaligen Altersheim und 2 weitere im Kulturhaus. Dieser Raumzuwachs konnte jedoch nur ein vorläufiger Notbehelf sein, da die achtklassige Basedower Schule in den kommenden Jahren zur Zehnklassenschule erweitert werden soll. Daher ist ein Bau eines neuen Schulgebäudes, das zwischen dem Schloß und dem ehemaligen Marstall errichtet wird, geplant .
Es ist für den Unterricht der Oberstufe vorgesehen, während die Unterstufenklassen in den alten Schulgebäuden und dem ehemaligen Altersheim, das künftig ganz für Schulzwecke zur Verfügung steht, verbleiben. Nach einem gründlichen Umbau des Altersheims wird es drei große Klassenräume, eine Schulküche und einen Speiseraum enthalten.
Auch der Schulhort soll dort eingerichtet werden. mit dem Ausbau ist bereits begonnen, der Schulneubau hinter dem Schloß steht unmittelbar bevor.
Seit einigen Jahren verfügt die Schule wieder über einen ausreichenden Bestand wertvoller Lehrmittel, die den Forderungen moderner Pädagogik entsprechen.
Noch 3 weitere Einrichtungen der Neuzeit sind zu erwähnen.
Auf dem Gelände in der Nähe der alten Mühle entstand das "Polytechnische Kabinett", wo die Basedower Schüler und die Schüler aller Malchiner Schulen am "Unterrichtstag in der Produktion" von Facharbeitern und Fachlehrern unterrichtet werden. Es ist vorgesehen, demnächst auch noch die ehemalige Werkstatt des Stellmachers Rüß für Zwecke des polytechnischen Unterrichts herzurichten.
Neben dem Polytechnischen Kabinett wurde die Kinderkrippe gebaut, während sich der Kindergarten schon seit einigen Jahren in geeigneten Räumen des Schlosses befindet.
Die beiden letztgenannten Einrichtungen sollen Werktätige Frauen entlasten, damit sie unbeschwert ihrer Berufspflicht nachkommen können.
Wenden wir uns schließlich noch dem idyllisch am Malchiner See gelegenen Seedorf zu, das in den letzten Jahren in zunehmendem Maße Anziehungspunkt für viele Menschen - auch für Schulklassen - aus nah und fern geworden ist. Sie wollen hier im Sommer während der Urlaubszeit zelten,. um sich an dem in der Nähe gelegenen großen Badestrand, der neuerdings durch den Konsum - einer ansprechenden Verkaufsstelle ausgestattet wurde, zu erholen und sich ganz den Freuden eines fröhlichen Badelebens hinzugeben.
Ü berzeugt und angezogen von den Vorzügen dieser herrlichen Landschaft, errichteten der Rat der Stadt Wittenberg und der Staatliche Forstwirtschaftsbetrieb Dargun in Seedorf je ein Ferienheim, während der Rat des Kreises Malchin, das RAW Malchin und der Kraftverkehr Malchin gleiche Einrichtungen in Neuhäuser erstellten. Nicht unerwähnt bleiben sollen die in unmittelbarer Nähe von Seedorf aufgebauten hübschen Wochenendhäuser die ihren Besitzern während der Sommermonate in ländlicher Abgeschiedenheit und Stille Ruhe und Erholung bieten.
Zum Schluß dieses Berichtes soll nicht versäumt werden, eine Liste der Bürgermeister anzufügen, die ab 1945 als Oberhaupt der Gemeinde fungierten und somit für ihre wirtschaftliche, politische und kulturelle Entwicklung hauptverantwortlich waren.
Als Bürgermeister von Basedow amtierten:
1945 Heinrich Niemann
1951 - 1952 Karl Kedzir
1945 - 1946 Rudi Schmidt
1953 Karl Gienap
1946 Walter Hoppe
1953 - 1959 Reinhard Pieper
1947 - 1949 Kurt Kalweit
1960 - 1961 Heinz Groth
1950 - 1951 Erich Hahnfeldt
ab 1961 Herbert Dummer
nach 1990 Kurt Reinhold
Als Ergänzung schließlich noch eine Aufstellung der Schulleiter von Basedow seit dem Jahre 1800, die mehr oder weniger das geistige und kulturelle Leben der Gemeinde beeinflußt haben:
1801 -180? Johann Heinrich Ludwig Diermann
(Ururgroßvater des Schreibers dieser Chronik)
ab 18?0 Johann Heinrich Bröcker
(Urgroßvater des Schreibers dieser Chronik)
bis 1880 Böttcher
1880 - 1924 Heinrich Labeß
1924 - 1951 Walter Schneeberg ( von 1957 -196) noch Lehrer)
1957 - 1960 Hans Hoffmeier .
1960 - 1962 Friedrich Wilhelm Schütz.
ab 1962 Peter Meffert
Basedow, den 10.02.1966 Walter Schneeberg Lehrer i. R..
Autor: Chronik der Gemeinde Basedow erarbeitet und aufgeschrieben von Lehrer i. R. Walter Schneeberg 10.02.1966 Quelle: unbekannt
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