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Ludorf Müritz
Ludorf an der Müritz in Mecklenburg
Deutsche Ritter und dänische Geschichte in Mecklenburg
Wie in keinem anderen Gutsdorf in der Müritz-Region sind die Zeugnisse der fast 1000jährigen Geschichte Mecklenburgs in Ludorf sichtbar geblieben. Die in die Müritz hineinragende Halbinsel „Steinhorn“ stellt mit dem noch gut erkennbaren slawischen Wallanlagen den Anfang der sichtbaren Siedlungsgeschichte des Ortes dar. Gut vorstellbar, dass dies eine der Hauptwehranlagen der „Morizaner“ – des um die Müritz herum lebenden slawischen Stammes – war.
Die dokumentierte Ludorfer Geschichte beginnt dann mit dem Namen Morin. Dieses wohl mit Heinrich dem Löwen ins Land gekommene Geschlecht wird 1224 und 1274 jedenfalls mit Henning bzw. Heinrich Morin, Ritter, in einer Schenkungsurkunde des Fürsten Nicolaus von Werle an die Stadt Röbel erstmals erwähnt.
Die Morin’s saßen dann über 4 Jh. rings um die Müritz und hatten auf der alten Burg Morin und früher dem Alt-Morin ihren Stammsitz.
Zur Zeit der ersten Morin’s stand im heutigen Ludorfer Ortsteil Gneve eine Burg der Werlischen Herrscher, die im 14. Jh. der Fürstin Elisabeth, geb. Gräfin von Holstein-Plön, als Witwensitz zugewiesen wurde. Diese wird es möglicherweise gewesen sein, die deutsche Siedler ins Land rief und unweit der Burg + Dorf Morin dann Ludorf gründete – der Name, der als „Lugdorf“ – Dorf am Luche, am Bruche gedeutet werden muss.
Die alte Burg Morin, deren Reste mit dem Burgwall und der ca. 600 Jahre alten Eiche auf dem Burghof noch gut zu erkennen sind, diente den Morin’s noch bis zum 30jährigen Krieg als Wohnsitz.
Wipert von Morin, so sagt die Überlieferung, hat die Ludorfer Kirche nach dem Vorbild der Kirche vom Heiligen Grabe in Jerusalem, nach glücklicher Heimkehr von einer Pilger-Reise ins Heilige Land, noch zu Pribislaw’s Zeiten bauen lassen. Einzigartig in der Baugeschichte Mecklenburgs steht dieser kleine Zentralbau auf oktogonen Grundriss und lässt tatsächlich orientalischen Einflüsse erkennen. Geweiht wurde die Kirche dann erst 1346 durch den Bischof von Havelberg.
Der 30jährige Krieg stellt wie für viele Dörfer und Güter des Landes auch für Morin/Ludorf eine Zäsur dar.
Die Burg und das Dorf Morin wurden wüst, die Kirche war eingestürzt und der letzte der männlichen Morin’s, Henneke selbst, musste die Kirchenglocke verkaufen – indes es ihm auch nicht mehr viel nützte, denn er bekam die Pest und ist verarmt in Röbel gestorben.
Das war das Ende des Namens Morin in Mecklenburg. Jedoch hatte die letzte Morin-Tochter Elisabeth den Jakob Ernst von Knuth, Erbherrn auf Leizen, Melz, Priborn u.a. geheiratet. Damit begann das Knuth’sche Zeitalter Ludorfs.
Der Ursprung der Familie Knuth liegt wohl in Sachsen und Thüringen. 1174 taucht ein Heinrich Knuth als Feudalherr in der Nähe von Leipzig und Merseburg auf. Der erste mecklenburgische Knuth, ebenfalls Heinrich geheißen, ist urkundlich 1230 erstmals erwähnt. 1240 ist er Zeuge auf einer Urkunde des Landesherren Pribislaw anlässlich des Kaufes eines Dorfes bei Parchim. Die nächsten Urkunden sind dann aus dem Jahr 1284 auf der Burg Wredenhagen, wo wieder ein Heinrich Knuth / Ritter gemeinsam mit Nikolaus Hahn und Johannes v. Dessin die Verpfändung einer Mühle bei Plau bezeugen. Danach werden die Nachrichten dichter und es bilden sich mehrere Linien der Knuth’s.
Die uns interessierende geht auf den oben erwähnten Heinrich den II. Knuth zurück, der ab 1284 als Vasall der Werleschen Fürsten im Lande Röbel mit den Gütern Priborn und Leizen belehnt war.
Später kamen dann noch Melz und Karchow dazu.
Das älteste erhaltene sichtbare Zeugnis der Knuth’s ist der imposante Grabstein des Heinrich Knuth und seiner Ehefrau Margareta geb. Spiegelberg aus dem Jahre 1370 in der Kirche von Leizen.
Jakob Ernst von Knuth (1609 – 1675), Rittmeister in dänischen Diensten und im 30jährigen Krieg aktiv gegen die Kaiserlichen, erwarb durch die Heirat mit Elisabeth – der letzten Morin-Tochter – dann auch Ludorf.
Gehörten anfänglich nur Teile Ludorfs zur Erbschaft der Knuth’s, so gelang es dem ältesten Sohn der beiden, Adam Levin von Knuth, die restlichen Teile sowie Gneve von den Hahn’s dazu zu kaufen und allmählich Ludorf zum größten Gut in der Müritz-Region zu machen. Im übrigen war dieser Adam Levin von Knuth eine überaus interessante Persönlichkeit. Er wurde schon als Knabe gemeinsam mit seinem Bruder Eggert Christoffer, dem Begründer der heute noch in Dänemark existierenden gräflich Knuth’schen Linie, als Page an den Hof des dänischen Königs geschickt. Gemeinsam mit dem späteren König Christian V aufgewachsen und eng befreundet, stieg er am dänischen Hof bis zum Oberkammerjunker (Ministerpräsident) auf. Zwar selten daheim in Mecklenburg ließ er jedoch, nachdem er als Erbe 1689 mit Ludorf belehnt wurde, dort das „neue Haus“ bauen. 1698 fertiggestellt, wurden die großen Granit-Steine der alten Burg Morin für das Fundament von den mit dem Bau beauftragten holländischen Bauarbeitern genutzt.
Der zweigeschossige Bau besitzt 15 zu 4 Achsen und ist mit einem Walmdach abgeschlossen. Das schlichte zurückhaltende Äußere des Backsteinbaus wurde überstrahlt durch die z.T. aufwendige Innengestaltung. Davon zeugen die wieder freigelegten und sorgfältig restaurierten, großflächigen Deckengemälde im Obergeschoss. Einzigartig in Mecklenburg/Vorpommern zeugen die barocken Jagdszenen auf Holz gemalt, vom Kunstsinn des Bauherren Adam Levin von Knuth. Zwei weitere Räume des Hauses beherbergen ebenfalls Deckengemälde aus der Erbauerzeit. Zum einen die jetzige „Hochzeitssuite“ – typische holländische Malereien mit Früchte- und Blumenstilleben – und zum anderen das „Drachenzimmer“ mit einem der Symbolik gewidmeten Deckengemälde aus Satyren, Drachen und allerlei anderen Figuren.
Sehenswert auch das Portal: der Holzbalken direkt über der Tür ist älter als das Haus und zierte einst das alte Knuth’sche Gutshaus in Leizen. Als dieses um die vorletzte Jahrhundertwende abgerissen wurde, um dem jetzt in Leizen stehenden Gründerzeitbau Platz zu machen, machten die neuen Besitzer, die Fam. von Gundlach, den Balken den Ludorfern zum Geschenk. Dort steht: „Moritz, Jakob, Joachim Gebroder de Knuth. Anno Domini 1576“.
Die Kartusche über dem Balken kündet von der Erbauung des Hauses Ende des 17. Jh.: „Anno 1698 hat Herr Adam Levin v. Knuth, Ritter, den uralten adligen Hof Ludorff anhero transportieren und neu bauen lassen. Gott lasse dieses Haus bestehen und nicht eher als mit der Welt vergehen.“
Gekrönt wird das Ganze vom Knuth’schen Wappen in Sandstein, dem Kesselhaken mit 3 Kleeblättern und den erst bei Adam Levin von Knuth dazugekommenen 3 Fahnen über der Helmzier. Das Wappen ist eine Kopie – das Original findet man in der Halle gleich rechts neben der Tür. Ebenfalls neben der Tür, jedoch links, ist einer der im späten 19. Jh. Angeschafften Portallöwen zu sehen, der schon das Bülow’sche Wappen trägt. Dieser war nach 1945 durch Vandalen in die Kieskuhle gekommen und dort glücklicherweise durch einen Dorfbewohner gerettet worden.
Die Rückseite des Hauses hat seine im letzten Drittel des 19. Jh. angebaute hölzerne Veranda und Freitreppenanlage zurückerhalten. Ebenfalls im 19. Jh. wurde nach einem barocken Vorgänger ein englischer Landschaftspark angelegt. Einige Baumriesen zeugen noch davon. Durch den Park gelangt man, vorbei an zwei aus dem 18. Jh. stammenden Teichen zu einer Kastanienallee, die nach ca. 600 m an der Müritz endet. Gleich links davon stand früher das herrschaftliche Badehaus. Heute ragt dort die neue Ludorfer Seebrücke in die Müritz hinein.
Die größte Ausdehnung erreichte das Ludorfer Gut Ende des 18. Jh. Die Grenzen gingen vom Röbeler Stadtrand quer über die Müritz zum Ostufer und zurück bis zum Dorfe Vipperow. Das waren mehr als 4000 Hektar. Gneve und Zielow gehörten ebenso dazu und später Solzow.
Sofort nach Aufhebung der Leibeigenschaft 1821 hat der Hauptmann Joseph E. von Knuth Zielow an die dortigen Bauern verkauft, die seitdem als sogenannte Lehnsbauern im ritterschaftlichen Amt Wredenhagen galten. Derselbe Joseph Ernst von Knuth starb 1832 als letzter männlicher Knuth in Deutschland. Seine einzige Tochter Bertha war damit Erbjungfrau von Ludorf. 1838 lernte diese anlässlich eines Hofballs in Berlin den jungen Leutnant im 1. Garde Ulanen Regiment Wilhelm von Schulse kennen. Schon im übernächsten Jahr wurde geheiratet. Die Familie von Schulse kam aus Schlesien und es war gerade 100 Jahre her, dass der Urgroßvater Kaspar Ernst von Schulse vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm d. I. in den Adelsstand erhoben wurde. Unter Friedrich dem II. vom Kommandeur des legendären preußischen 1. Garde-Bataillions zu Fuß bis zum Generalleutnant aufgestiegen, fiel er 1757 im 7jährigen Krieg in der Schlacht bei Breslau. Sein Name steht eingemeißelt auf dem berühmten Reiterstandbild „Friedrich des Großen“ Unter den Linden in Berlin.
Das junge Paar begann das in die Jahre gekommene Ludorfer Gut umzukrempeln. Die heute rings um das Rondell gruppierten Wirtschaftsgebäude entstanden z.T. auf den Kellern und Fundament älterer Gutsgebäude, so auch beim Wirtschaftshaus links vom Gutshaus, das auf einem sehr viel älteren Gewölbekeller ruht. Auch das Gutshaus wurde innen neu gestaltet. Der kleine Barockgarten hinter dem Haus wurde durch einen fast bis an die Müritz reichenden englischen Landschaftspark ersetzt. Ab den 50er Jahren des 19. Jh. nahm auch die Landwirtschaft einen rapiden Aufstieg. Die Größe des Gutes kam jetzt zur Geltung und Schnitter und Tagelöhner verstärkten die eigenen Leute auf dem Gut. Wenn die große Gutsglocke (heute noch am Wirtschaftsgebäude zu sehen) läutete, dann zogen bis zu 16 vierspännige Wagen zur Arbeit in die Ludorfer Feldmark.
Mit dem Tod der Bertha von Schulse, geb. von Knuth, 1901 ist die Ur-mecklenburgische Familie Knuth in Deutschland endgültig erloschen. Deren Tochter Beate heiratete in die ebenfalls zum mecklenburgischen Uradel gehörende Familie von Bülow und bis nach 1945 trugen diese (der Ludorfer Zweig) den Doppelnamen von Schulse-Bülow.
So war Ludorf seit 655 Jahren in der Familie geblieben, bis der Wahnsinn des Naziregimes und der zweite Weltkrieg alles zerstörte.
Nach 1945 erlebte das Ludorfer Gutshaus und die dazu gehörenden Gebäude das Schicksal vieler Häuser im Lande. Es wurde geplündert und seine Inneneinrichtung vollständig zerstört. Aber es linderte erst einmal die große Wohnungsnot der vielen Flüchtlinge.
Äußerlich wurde es zum Glück nicht wesentlich angegriffen. Dazu führt zum einen die Tatsache, dass das Ludorfer Gutshaus zu den 21 Schlössern und Gutshäusern im Lande zählte, die schon 1946 per Befehl der sowjetischen Militäradministration unter Schutz gestellt wurden (im Müritzgebiet sonst nur noch Ulrichshusen) und zum anderen, dass der nicht verputzte Backsteinbau mit seinem 1 – 1,5 m dicken Mauern recht robust war und ist.
Ab 1989 teilweise leergezogen und dem Verfall preisgegeben, kaufte 1998 die Familie Achtenhagen das Gutshaus und das Wirtschaftshaus. Nach behutsamer Sanierung eröffneten sie dieses im Jahre 2000 als familiengeführtes Hotel. Wer das Haus heute betritt, der spürt wieder das bodenständige Flair des mecklenburgischen Landadels und fühlt sich zurückversetzt in eine Zeit, in denen noch andere Werte galten.
Schlosshotel Gutshaus Ludorf
Rondell 7-8
17207 Ludorf (Müritz)
Tel: 039931/8400
Fax: 039931/84620
email: info@gutshaus-ludorf.de
web: www.gutshaus-ludorf.de
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